200 Jahre ZSM – erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit

February 14th, 2012

Mit der feierlichen Verleihung des 13. R.J.H. Hintelmann Wissenschaftspreises für Zoologische Systematik im Januar 2012 beendete die Zoologische Staatssammlung München (ZSM) das Jubiläumsjahr ihres 200-jährigen Bestehens. Durch einen bunten Reigen von Festveranstaltungen war die ZSM im Verlauf dieses Jahres immer wieder an die Öffentlichkeit getreten, was nicht zuletzt durch eine deutlich erhöhte Medien-Präsenz in Zeitung, Funk und Fernsehen belohnt wurde.

Hier können Sie einen Bericht über die ZSM anhören (“Tonspur Forschung”, Podcast der LMU ) und hier können Sie näheres über den Gründer der ZSM und seine legendäre Reise nach Brasilien in einem Video sehen (Bericht aus Capricio ).

Einen besonderen Höhepunkt bildete die in Kooperation mit dem Museum Mensch und Natur konzipierte und dort über 7 Monate gezeigte Sonderausstellung „Einblicke – Ausblicke: 200 Jahre Zoologische Staatssammlung München”, die ca. 100.000 Besucher hatte. In der ZSM selbst konnten an zwei Tagen der offenen Tür Tausende Bürger hinter die Kulissen blicken und sich sowohl über die riesigen Sammlungsbestände als auch über die Forschung an der ZSM informieren. Im Herbst zeigte eine Fotoausstellung des jungen Münchner Fotografen Max Großrubatscher “Die ZSM im Porträt – Impressionen aus dem Alltag der ZSM”.
Natürlich standen im Jubliläumsjahr auch historische Aspekte im Vordergrund, beispielsweise bei der Festveranstaltung “Spix und die Erforschung der Zoologie in Brasilien” und der tags darauf folgenden Vorstellung des Buches “Ein Leben für die Zoologie: Die Reisen und Forschungen des Johann Baptist Ritter von Spix” von Prof. Klaus Schönitzer, das dem Begründer der ZSM gewidmet ist. Nicht zuletzt wurden zwei Sonderbriefmarken zum Thema „Spix“ und „200 Jahre ZSM“ herausgegeben und konnten an einem Tag in einem Sonderpostamt in der ZSM gekauft und mit einem Sonderstempel versehen werden.

Die auf einer im Foyer der ZSM aufgestellte Pinwand gesammelten Zeitungsausschnitte zumThema bedecken inzwischen mehrere Quadratmeter – Anlass den erreichten Presse-erfolg in diesem Blog zu würdigen.

Die genetische Bibliothek bayerischer Hundert- und Tausendfüßler (Chilopoda, Diplopoda) – ein Werkzeug für Taxonomie und Umweltforschung

January 20th, 2012

Anhand von DNA-Barcodes lässt sich die Mehrheit aller Tierarten eindeutig charakterisieren und sogar identifizieren. Im Rahmen des vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst geförderten Projekts „Barcoding Fauna Bavarica“, das zur Jahreswende 2011/2012 die Sequenzierung der zehntausendsten Art vermeldet hat, sind nun die ersten Daten zu Hundert- und Tausendfüßlern (Chilopoda und Diplopoda) Bayerns erhältlich. Gegenwärtig umfasst der Bestand schon über 80% der in Bayern vorkommenden Arten, von denen sich auch die meisten durch die Barcodes bis zur Art bestimmen lassen.

Hundert- und Tausendfüßler sind zwar unscheinbare, aber auch sehr interessante Tiere. Bei nicht wenigen Arten ist die Taxonomie schwer zu durchschauen. Mit den genetischen Barcodes steht dem Taxonomen ein neues Merkmal zu Verfügung, das es erlaubt, Artdefinitionen und – abgrenzungen neu zu prüfen und zu revidieren.

Polydesmus complanatus illyricus Verhoeff, 1894. Foto: Jörg Spelda

 

Bei vielen Arten ließen sich bisher nur die reifen Männchen sicher bestimmen. Die DNA-Sequenzen erlauben nun auch die Zuordnung von Jungtieren, Weibchen und sogar Eiern.

Außerdem gibt es in den Alpen eine große Zahl von Endemiten, die während und/oder nach den Eiszeiten entstanden sind. Ihre Evolution und ihre Abgrenzung von den im Flachland lebenden Schwesterarten läßt sich mit Hilfe der neuen Daten auch auf genetischer Ebene genau analysieren.

Nicht zuletzt sind Hundert- und Tausendfüßler wichtige Bioindikatoren für Bodentypen und allgemein die Gegebenheiten des Untergrunds. Mit den Barcodes wird zukünftig eine schnelle und effiziente Bestimmungshilfe für Fragen der Umweltforschung zur Verfügung stehen.

Die Myriapoden-Barcodes sind ein Teilprojekt von iBOL, dem International Barcode of Life, in dessen Sequenzierzentrum die Barcodes erstellt werden. Die Daten stehen in der Online-Datenbank Bold (Barcode of Life Data Systems) Forschern weltweit zur Verfügung.

Spelda J, Reip HS, Oliveira-Biener U, Melzer RR (2011) Barcoding Fauna Bavarica: Myriapoda – a contribution to DNA sequence based identifications of centipedes and millipedes (Chilopoda, Diplopoda). Zookeys 156: 123-139.

Rätsel um „Top 10 Schnecke“ geklärt

November 24th, 2011

Die wurmförmige, nach einer thailändischen Gottheit benannte Nackt-Schnecke Aiteng ater Swennen & Buatip, 2009 hat es als „bug eating slug“ in die Liste der “Top 10 der bizarren, neuen Arten 2010“ (International Institute for Species Exploration at Arizona State University, http://species.asu.edu/Top10) geschafft. Die Originalbeschreibung charakterisiert den amphibisch lebenden, insektivoren Mangrovenbewohner durch einen ungewöhnlichen Mix aus Merkmalen, die teils für Sacoglossa (Sackzüngler) und teils für Acochlidia typisch sind. Mithilfe computergestützter 3D-Mikroanatomie konnten wir die anfangs vermutete Affinität zu den Sacoglossa widerlegen, und eine Vielzahl von Acochlidien-typischen Merkmalen aufzeigen.

Aiteng mysticus from Japan; photograph by Hiroshi Fukuda

Zusätzlich beschrieben wir “himitsu namekuji“, eine “geheimnisvolle Nacktschnecke“ aus der Gezeitenzone in Japan, als neue Art Aiteng mysticus (s. Neusser et al., 2011). Unsere molekularen Analysen stützen die morphologischen Ergebnisse und stellen die Aitengidae in die Acochlidien-Verwandtschaft. Unterschiede in der äußeren Morphologie (z.B. völlige Abwesenheit von Kopftentakeln) und der Anatomie lassen sich mit dem Habitatwechsel erklären, den die amphibisch lebenden Aitengidae aus den ansonsten strikt aquatischen Acochlidia heraus vollzogen. Durch den integrativen Forschungsansatz wurde aus einer mysteriösen “Top 10 Schnecke“ ein schönes Beispiel für die Evolution im Tierreich.

 

 

Neusser TP, Fukuda H, Jörger KM, Kano Y & Schrödl M 2011. Sacoglossa or Acochlidia? 3D reconstruction, molecular phylogeny and evolution of Aitengidae (Gastropoda: Heterobranchia). Journal of Molluscan Studies 77: 332-350.

Swennen C and Buatip S 2009. Aiteng ater, new genus, new species, an amphibious and insectivorous sea slug that is difficult to classify [Mollusca: Gastropoda: Opisthobranchia: Sacoglossa(?): Aitengidae, new family]. The Raffles Bulletin of Zoology 57(2):495-500.

Satellite Images Help Species Conservation

November 18th, 2011

Phelsuma nigristriata, a threatened day gecko from the Comoros.

The most recent update of the IUCN international Red List of threatened species was received with broad media interest, coining the term of “barometer of life”, as the Red List reflects the state of global biodiversity. Researchers of the ZSM mainly provided contributions on reptiles and amphibians of Madagascar and the Comoro Islands.

The assessment of the Comoran reptiles was undertaken with the help of remote sensing data based on satellite imagery, which is an approach rarely used for Red List assessments in general and never before for reptiles. The satellite imagery allowed the creation of comprehensive habitat maps for the Comoro Islands. Using this and distributional data, the remaining area of habitats suitable for the endemic species could be estimated. These methods and all data used are presented in a paper by Hawlitschek et al. (PDF and press release).

 

Artenschutz mit Satellitenbildern

Habitat map of Grand Comoro Island based on satellite data.

Die jüngste Aktualisierung der internationalen Roten Liste der bedrohten Arten der IUCN fand großen Widerhall in den Medien. Dabei wurde die Rote Liste auch als “Barometer des Lebens” betitelt, das den Zustand der globalen Biodiversität widerspiegelt. Forscher der ZSM lieferten Beiträge vor allem für die Reptilien und Amphibien Madagaskars und der Komoren.

Bei der Bewertung der Reptilien der Komoren für die Rote Liste wurde auch in großem Umfang auf Fernerkundungsdaten von Satelliten zurückgegriffen, ein Ansatz, der bisher nur sehr selten für Rote-Liste-Bewertungen  im Allgemeinen und erstmals für diese Tiergruppe Anwendung fand. Mithilfe der Satellitendaten konnten vollständige Lebensraumkarten der Inseln der Komoren erstellt werden. In Kombination mit Verbreitungsdaten konnte daraus ermittelt werden, wie groß die verbliebene Fläche geeigneten Lebensraums für die endemischen Arten ist. Eine Darstellung der Methoden und aller gesammelten Daten erfolgte in einem Artikel von Hawlitschek et al. (PDF und Pressemitteilung).

40% der Reptilienarten auf Madagaskar bedroht

November 17th, 2011

Am 10.11.2011 hat die IUCN ihre neue Rote Liste (http://www.iucnredlist.org/) der Öffentlichkeit vorgestellt und im Internet veröffentlicht. Reptilien stellen mit fast 9500 Arten (http://www.reptile-database.org/) eine bedeutende Tiergruppe dar, doch bisher waren die meisten Reptilien noch nicht in der Roten Liste der IUCN erfasst. Diese Lücke wurde nun für die knapp 400 madagassischen Arten geschlossen. Demnach sind rund 40% der madagassischen Reptilien gefährdet und 22 Arten gelten als akut vom Aussterben bedroht. Fünf dieser 22 Arten stammen aus einer kleinen Region im Norden Madagaskars und sind erst vor wenigen Jahren bei Expeditionen der Zoologischen Staatssammlung entdeckt oder wiederentdeckt worden.

Auch manche neu entdeckte Reptilienarten wie der Gecko Paroedura lohatsara sind akut vom Aussterben bedroht.

Auch manche neu entdeckte Reptilienarten wie der Gecko Paroedura lohatsara sind akut vom Aussterben bedroht.

Die drei unterirdisch lebenden Skinke Paracontias minimus und P. rothschildi sowie die Madagaskar-Blindschlange Xenotyphlops grandidieri waren über 100 Jahre lang nur von einzelnen Individuen ohne Fundort bekannt, bis sie alle drei im Norden Madagaskars wiederentdeckt wurden. Zudem gelang im gleichen Gebiet die Entdeckung einer noch gänzlich unbekannten Art, die bisher nur von einem einzigen Exemplar bekannt ist und inzwischen als Paracontias fasika beschrieben wurde. Alle vier Arten leben in einem sandigen Trockenwald entlang eines schmalen Küstenstreifens. Ihr Lebensraum ist durch Abholzung und Holzkohlegewinnung sehr stark bedroht, so dass sie alle in die höchste Gefährdungsstufe (“Critically Endangered”) aufgenommen werden mussten. Nur wenige Kilometer entfernt lebt der ebenfalls vom Aussterben bedrohte Nachtgecko Paroedura lohatsara. Diese erst im Jahr 2000 entdeckte Art ist ausschließlich aus dem kleinen Kalksteinmassiv Montagne des Francais bekannt, das wegen seiner vielen biologischen Besonderheiten erst kürzlich zum Schutzgebiet erklärt worden ist. Das Voranschreiten der Abholzung konnte dadurch bisher allerdings nicht gestoppt werden. Die hohe Dichte der akut vom Aussterben bedrohten Arten zeigt wie dringlich ein wirksamer Schutz dieser Region ist!

 

Nr. 10.000 kommt aus dem Bayerischen Wald

November 2nd, 2011

Nr. 10.000, die Langhornbiene Eucera longicornis.

Das Tier ist eine Langhornbiene mit dem wissenschaftlichen Namen Eucera longicornis. Die Art repräsentiert die 10.000ste Probe im Teilprojekt „Bienen und Wespen“ des ehrgeizigen Projektes „Barcoding Fauna Bavarica“. Die Langhornbiene ist spezialisiert auf Blüten von Wicken und kommt zwar in Bayern vor, ist jedoch nicht sehr häufig. Das Tier mit der Nummer 10.000 wurde im Bayerischen Wald in der Nähe von Freyung gesammelt.

Mit dem Projekt “Barcoding Fauna Bavarica” erstellen Forscher der Zoologischen Staatsammlung in München eine genetische Bibliothek aller bayerischer Tierarten. Seit Projektbeginn vor drei Jahren konnten sie dabei Proben von mehr als 10.000 Hautflügler-Individuen auswerten. Diese Proben repräsentieren rund 2.000 Arten und damit ein Fünftel der deutschen Hautflüglerarten. Zu den Hautflüglern oder Hymenoptera gehören vor allem Schlupfwespen und Erzwespen, die in der biologischen Schädlingsbekämpfung oder als natürliche Gegenspieler von Schadinsekten in der Land- und Forstwirtschaft eine immense Rolle spielen.

Eine weitere sehr wichtige Gruppe der Hautflügler sind die Stechimmen. Neben den für die Bestäubung von Blüten sehr wichtigen Wildbienen und Hummeln sind das zum Beispiel  Grab-, Falten- oder Goldwespen. In Deutschland kommen etwa 1100 Stechimmenarten vor, knapp die Hälfte gehören wie die Langhornbiene zu den Wildbienen. Landschaftsökologen nutzen diese Insektengruppe als wichtige Bioindikatoren in der Naturschutzplanung und sind darauf angewiesen, diese Art schnell, kostengünstig und zuverlässig bis zur Art bestimmen zu können.

Aphidoidea (= Aphidina)

October 25th, 2011

Abbildung: Rechts im Bild ein alter Sammlungsschrank von Heinze, links hinten ein neues Sammlungsregal (Stand Mai 2011). Inzwischen sind in dem neuen Regal zwei weitere Reihen mit Tabletts gefüllt.Die umfangreiche Blattlaus-Sammlung von Dr. Kurt Heinze (*23.3.1907 - +28.5.1998) aus Berlin ist über Umwege in die ZSM gelangt. Dr. Heinze hat an Pflanzenschutz-Instituten in der Nähe von Berlin gearbeitet und viele tausend Blattlauspräparate zusammengetragen, darunter auch etliche Holo- und Paratypen. Diese Sammlung war bisher praktisch nicht zugänglich, derzeit wird sie komplett neu sortiert, neu aufgestellt und in einer Datenbank erfasst.

Inzwischen (Okt. 2011) sind über 600 Arten aus 19 Unterfamilien und ca. 250Gattungen auf ca. 6000 Objektträgern erfasst und sortiert. Es handelt sich dabei immer noch um weniger als die Hälfte der gesamten Sammlung. Vor allem die Präparate der Unterfamilien Chaitophorinae, Lachninae und Calaphidinae wurden bereits weitgehend sortiert und erfasst.

Derzeit in der Sektion Hemiptera erfasste Arten siehe: http://www.zsm.mwn.de/rhy/sternorrhyncha.htm#Aphidoidea

Ein Meilenstein im Barcoding der deutschen Großschmetterlinge

October 19th, 2011

Segelfalter (Iphiclides podalirius), photo © Paolo Mazzei

Der abgebildete Segelfalter ist ein in Bayern stark gefährdeter Ritterfalter (Rote Liste 2), der Schlehengebüsche an trockenwarmen, sonnenexponierten Stellen (z.B. Weinberge) liebt. Diese Art ist die erste in einer Liste von 1372 Arten deutscher Großschmetterlinge (Tagfalter und Nachtgroßfalter), deren Daten und DNA-Signalsequenzen kürzlich von der ZSM veröffentlicht wurden (Zeitschrift SPIXIANA 34 (1): 47-58, BOLD-Datenbank und GenBank). 94% des Gesamtartenbestandes konnten im Projekt „Barcoding Fauna Bavarica“ mit Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst erfolgreich sequenziert werden. Diese Daten ermöglichen es nun, deutsche Großschmetterlinge inklusive deren Larvalstadien objektiv und sicher per DNA zu bestimmen. Im Falle des Segelfalters stellte sich heraus, dass er genetisch vollkommen mit den südeuropäischen Populationen übereinstimmt. Bei vielen anderen Arten zeigen sich jedoch typische regionale Muster mit denen man bisweilen sogar einzelne Populationen unterscheiden kann.

DScan – a high-performance digital scanning system for entomological (and other) collections

October 6th, 2011

The machine to digitise entomological collection drawers caused a lot of interest among participants of the Global Biodiversity Information Facility (GBIF) workshop, held at the Museum für Naturkunde in Berlin. It does work nicely, but there is still a lot of room for further developments, further funding pending…

The DScan development is part of the German Global Biodiversity Information Facility (GBIF-D) initiative. GBIF-D is funded by the BMBF – the German Federal Ministry of Education and Research.

Have a look at the video to see the machine in action:

„Bye bye Opisthobranchia“ (und auch gleich „Bye bye Pulmonata“)

August 17th, 2011

ZSM-Forscher und Kollegen präsentieren Hypothesen zur Verwandtschaft von euthyneuren Land- und Meeresschnecken, die traditionelles Lehrbuchwissen obsolet erscheinen lassen.

Seit über 100 Jahren wurden die oft bunten und bizarr geformten „Meeres-Nacktschnecken“ (Hinterkiemer, Opisthobranchia; ca 5000 Arten) einträchtig neben die meist kontinentalen Lungenschnecken (Pulmonata; ca 35000 Arten) gestellt. Als Unterklasse Euthyneura galten die ungleichen Schwestern als Kronen der Gastropoden- Evolution. Schalenträger und Nackedeis gibt’s jedoch hüben und drüben, und Ausnahmen von allen sonstigen morphologischen und ökologischen „Regeln“ auch. Zweifel an der sauberen Zweiteilung der höheren Schneckenwelt äußerten bereits morphologische Studien (z.B. Haszprunar, 1985). Doch erst molekulargenetische Arbeiten brachten das Ausmaß möglicher Fehleinschätzungen ans Licht (z.B. Jörger et al. 2010). Weder Opisthobranchia noch Pulmonata resultieren monophyletisch. So sind marine Sacoglossa (Sackzüngler) oder mesopsammische Acochlidia wohl näher mit den Weg- oder Weinbergschnecken unserer Gärten verwandt als etwa mit den echten Meeres-Nacktschnecken (Nudibranchia) oder den Seehasen. Die Verwandtschaftshypothesen der Euthyneura wurden revolutioniert und eine Neuklassifizierung war nötig (Jörger et al 2010; http://en.wikipedia.org/wiki/Euthyneura).

Auch die frühe Evolution der ca. 40.000 bereits bekannten Arten verlief wohl anders als gedacht – und viel komplexer (Schrödl et al. 2011). Wir beginnen gerade, die Naturgeschichte dieser vielgestaltigen und allgegenwärtigen, schon zu Zeiten der Dinosaurier diversifizierenden „Schneckerl“ neu zu verstehen.

Der „Neue Euthyneura-Stammbaum“, basierend auf Jörger et al. 2010 (PDF)

 

Literatur:

HASZPRUNAR, G. 1985. The Heterobranchia – a new concept of the phylogeny of the higher Gastropoda. Zeitschrift für zoologische Systematik und Evolutionsforschung, 23: 15-37.

JÖRGER, K. M., STÖGER, I., KANO, Y., FUKUDA, H., KNEBELSBERGER, T. & M. SCHRÖDL. 2010. On the origin of Acochlidia and other enigmatic euthyneuran gastropods and implications for the systematics of Heterobranchia. BMC Evolutionary Biology 10: 323. doi:10.1186/1471-2148-10-323

SCHRÖDL, M., JÖRGER, K., KLUSSMANN-KOLB, A. & N.G. WILSON. 2011. Bye bye “Opisthobranchia”! A review on the contribution of mesopsammic sea slugs to euthyneuran systematics. Thalassas 27: 101-112.